3,5 Athleten in London

Mit Kleinkind ist es immer aufregend zu verreisen, in eine Großstadt um so mehr.

Wir haben es – nach viel hin und her – gewagt mit unserem quirligen Sohn nach London zu fliegen. Irgendwie wird es schon gut gehn, dachten wir.

Die Olympischen Spiele waren grad 6 Tage her und dennoch wurden weitere Medaillen verliehen:

Bronze
in der Kategorie Dinner

Was habe ich mich auf eins meiner Lieblingsrestaurants in London gefreut! Yummy yummy! Ich hatte auch keine Bedenken, dass Robin die Japanische Küche, die dort serviert wird, nicht mag, da ich schon oft aus deren Kochbuch gekocht habe und er es immer verschlungen hat.
Am zweiten Abend konnte ich also meinen Mann überreden dort zu essen. Es fing schon lustig mit dem „Hochstuhl“ an. Ein Gestell, das an den Tisch geschraubt wird und das Kind frei schwingend am Tisch hängt. Robin hat’s gut gefallen und immerhin konnte er weder aufstehen, noch sich wegschieben. Daumen hoch!
Er hat auch direkt was zum ausmalen und Wachsmalstifte bekommen *haha*. Nun ja, mit seinen 16 Monaten ist’s dafür noch ein bissle früh, aber rumkritzeln ging schon, oder wahlweise die Stifte verköstigen.
Nach lecker „salted Edamame“, die sogar Robin genascht hat – schon rausgepuhlt, wie sich von allein versteht – ging es weiter mit Noodles und einer Kinderportion für den Herrn. Was soll man da sagen? Ich denke, wir haben lebenslang Speiseverbot in diesem Lokal. Fliegende Nudeln wohin man schaut. Wir wünschten, es hätte sich ein Loch aufgetan in dem wir einfach so verschwunden wären. Gegessen wurde nicht viel – es schmeckt halt nur bei Mummy. Es wurde noch ein lauter und dreckiger Abend und wir waren froh endlich aus dem Restaurant draußen zu sein. So viel zum Thema, schön Abendessen.
Am nächsten Abend haben wir wieder mit Babyphone bewaffnet im Pub des B&B gegessen *pfeif*

Silber
in der Kategorie Shoppen

Mein Sohn ist ein typischer Mann – er hasst shoppen. Das kenne ich schon zu genüge von hier. Sobald die Ladenschwelle übertreten wird geht das gejammere, geweine, geschimpfe los. Das treibt mich bereits nach wenigen Minuten zum Wahnsinn und so ist es immer ein Graus für mich irgendwas zu besorgen.
Dennoch wollten wir in London auch shoppen gehn – wohlgemerkt nicht für uns, sondern für littleBro und bigBro.
So waren wir hauptsächlich in Babyläden, was auch gut war. Da gab es wenigstens ein bisschen Verständnis für einen schimpfenden Wutzwerg und ein Lächeln für den „ich räume alles aus den Regalen“ Typ.
Am Montag sollte es auf die Oxford Street gehn. Sonntags waren wir schon kurz morgens im Shoppingcenter gewesen, sind aber nach nicht alzu langer Zeit lieber in den Park und zum Buckingham Palast weitergezogen. Immerhin konnte mein Mann in einem kurzen Anflug von Schlaf seitens unseres Sohnes beim Starbucks einkehren. Über das Mittagessen im Shopping Center sprechen wir mal nicht…
So weit so gut, da die Oxford Street bekanntlich immer voller wird, so später der Tag, wollten wir unsere Besorgungen schon vormittags erledigen. Allerdings ist Robin bereits im Bus dorthin eingeschlafen und so sind mein Mann und er noch etwas im Hyde Park spazieren gegangen, wärend ich schon ein bisschen für mich was gucken gegangen bin.
So wurde es doch Mittag bis wir im ersten Babyladen waren. Da fing der Stress auch schon an. Während ich ein paar Sachen zusammen gesucht habe, hat mein Mann sich um unser Kleinkind gekümmert. Danach war er Geld abheben und ich wiederrum mit Babysitten dran. Im Buggy ging es nun gar nicht mehr, also raus mit dem Kerl. Er ist direkt auf die Stoffbären zugeeilt und hat einen nach den anderen in den Arm genommen und fest geknuddelt – das war schon sehr süß. Danach wurde alles ausgeräumt und ich war damit beschäftigt immer alles wieder einzuräumen, bis er es wieder rausräumte und so weiter.
Nach dem Bezahlen und raus aus dem Laden gab es ein paar Snacks und die Straße war schon sichtlich voller. Immer wenn wir aus einem Geschäft rauskamen (wir waren nicht in vielen drin, aber alles hat 3 mal so lange gedauert wie noch vor 2 Jahren), waren die Straßen voller und voller. Durchkommen war echt eine Herausforderung. Immerhin hat es Robin draußen im Buggy ganz gut gefallen bis zu einem Zeitpunkt wo gar nichts mehr ging und er wieder in die Manduca auf meinen Rücken wollte – wo wir schon bei der nächsten Medaille wären…

Gold
in der Kategorie Rush Hour in der Tube

Es gibt Dinge die kann man machen, es gibt Dinge die sollte man nicht machen…und es gibt Dinge die man unter keinen Umständen machen sollte. Dazu gehört „in der Rush Hour mit Kleinkind in der Underground fahren“ !!!

Es war schon früher Abend und wir mussten zurück ins B&B. Dass Montag war und so alle auf dem Weg von der Arbeit nach Hause sollte uns jedoch erst später (zu spät) auffallen.
Wir total erschlagen von einem Tag rumlaufen, shoppen, toben und Kind davon abhalten ganz London auf den Kopf zu stellen, auf Underground Station suche. Endlich angekommen und wie ein Wunder den Buggy die 10000 Stufen runtergehieft – Kleinkind dabei sicher auf dem Rücken in der Manduca verstaut – ahnte uns schon der Horror der da kommen sollte. Rush Hour und Menschen soweit das Auge reicht. Da die Tubes alle paar Minuten kommen, mussten wir auch nicht lange auf die District Line Richtung Wimbledon warten. Noch war es zwar voll, aber man konnte noch seinen Kopf und Arme bewegen. Die Temperaturen stiegen auf 60°C, der Sauerstoffgehalt sank auf unter 1%.
Mit den Stationen wurde es voller und voller. Kleinkind mit nackigen Stinkefüßen war noch recht gut drauf und flirtete mit den anderen Fahrgästen. Die Herausforderung meinerseits bestand darin zu versuchen den Babybauch vorne zu schützen und das Kleinkind hinten irgendwie im Blick zu behalten und aufzupassen, dass nicht irgendwer ihn zerquetscht. Irgendwann war der Punkt erreicht an dem wirklich nichts mehr ging. Wie eine Ölsardiene eingequetscht zählten wir unsere Stationen rückwärts. Wie wir jedoch aus der Tube rausgekommen sind ohne bleibende Schäden von uns zu tragen, bleibt ein Rätsel. In der Freiheit angekommen wurde erstmal der fehlende Sauerstoff aufgetankt und ein Stoßgebet zum Himmel gesand, das überlebt zu haben…

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3 Kommentare zu “3,5 Athleten in London

  1. Ein sehr schöner & vor allem auch toll geschriebener Artikel! Auch wenn Du hier die Medaillen eher für die „peinlicheren / ungünstigeren“ Momente der Reise geschrieben hast, stiehlt sich das ein oder andere Schmunzeln ins Gesicht und es scheint (trotzdem) ein toller und auch aufregender Trip gewesen zu sein. Wie ist es denn so mit vorne Bauch und hinten Manduca? Der Familienvater trägt nicht selbst? Im Urlaub lässt es sich der Schnuppispapa nicht nehmen, sich das Töchterlein auch mal aufzuschnallen ;)

  2. Danke Schnuppimama :)
    Ja, war wirklich ein toller Trip und ich bin froh, dass wir geflogen sind.
    Och, eigentlich geht es ganz gut mit hinten Manduca und vorne Baby…ist dann ausgeglichen ;) Wenn man tragen gewohnt ist, hat man ja auch entsprechende Muskeln.
    Aber ich denke, wenn die Kugel wächst wirds schon schwieriger.
    Na, mein Sohn ist halt ein Mamakind…da gehts manchmal nur bei Mama und mein Mann musste zB in der Tube auch den Buggy runtertragen…da ist mir Robin hintendrauf schon lieber.

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